Jahr1000Schätze des 12. Jahrhunderts

Im 12. Jahrhundert gehörte Merseburg zu den wichtigsten Pfalzen im Reich. Sowohl der Salier Heinrich V., Lothar von Süpplingenburg und die staufischen Könige hielten sich häufig in der Pfalz Merseburg auf. Diese galt mit 40 Tagesservitien als die ertragreichste in Sachsen. Die Jahr1000Schätze zeigen im September, wie die Beziehungen im Reich und über das Reich hinaus intensiviert worden waren. Ein seltenes Elfenbeinkästchen aus Sizilien belegt die kulturellen Verbindungen bis nach Italien. Die Gründung des Neumarkts, wovon die Neumarkturkunde berichtet, zeigt, wie der Handel nach Osten über Leipzig ausgedehnt wurde.

Kästchen mit bemalten Elfenbeinplatten, Sizilien, 12. Jahrhundert, und Sachsen (?), 2. Hälfte 13. Jahrhundert

Wie weit die kulturellen Kontakte des Merseburger Domkapitels reichten, zeigt ein seltenes Kästchen aus dem 12. Jahrhundert, das aus einer arabischen Werkstatt in Sizilien stammte. Der ursprünglich mit 35 dünnen Elfenbeinplatten verkleidete Flachdeckelkasten diente möglicherweise in sekundärer Verwendung der Aufbewahrung von Reliquien. Wie das Kästchen nach Merseburg gelangt ist, ist nicht bekannt. Mit Sicherheit ist es mit einem der im Domschatzverzeichnis von 1480 genannten elfenbeinernen Kästchen identisch.

Markus Cottin, der Leiter des Domstiftsarchivs stellt das besondere Kästchen vor.

Urkunde zur Erweiterung des Merseburger Marktes und des Neumarktes, 25. November 1188

Merseburg war im 12. Jahrhundert an seine räumlichen Grenzen gestoßen, so dass mit der Erweiterung des Marktes über die Saale hinaus eine Neustadt mit einer eigenen Pfarrkirche entstand. Die Bestätigung des Marktes oblag noch ganz traditionell dem König, im Falle des Neumarkts dem Staufer Friedrich I. Barbarossa. Die römisch-deutschen Könige übten in der Pfalz Merseburg nach wie vor das Marktrecht aus. Das Wachstum der Stadt in Richtung Leipzig spiegelt die wirtschaftliche Prosperität der Zeit, hervorgerufen durch die Zuwanderung aus dem Altsiedelland. Merseburg gehörte in der Stauferzeit zu den wirtschaftlich stärksten und bedeutendsten Pfalzen in Sachsen.

Mit der vorliegenden Urkunde gestattete Kaiser Friedrich I. Barbarossa auf Bitten des Merseburger Bischofs Eberhard die Erweiterung des Marktes der Stadt über die Saalebrücken hinaus. Markus Cottin erklärt, wie viel wir immer noch aus dieser Urkunde herauslesen können.

Das Domkapitel im 12. Jahrhundert

Obgleich die Bischofswahl durch das Wormser Konkordat 1122 auf die Domkapitel beschränkt worden war, setzten sich immer wieder königsnahe Kandidaten durch, die gleichwohl aus dem Domkapitel stammten. Dieses wird in seiner zunehmenden Ausdifferenzierung, seiner lokalen und sozialen Zusammensetzung sowie seiner Hierarchie immer deutlicher erkennbar. Es waren vor allem adlige Familien aus dem Merseburger Umland, die Vertreter in das Domkapitel entsenden konnten. Das Hochstiftsterritorium erfuhr nun vor allem durch die Siedlungsbemühungen der Bischöfe im Rahmen der deutschen Ostsiedlung einen Ausbau, während es keine königlichen Schenkungen mehr aus Reichsbesitz gab. Hintergrund dessen war offenbar der Ausbau des Reichslandes Pleißen vor allem in staufischer Zeit. Die Diözese der Merseburger Bischöfe differenzierte sich auch weiter aus – es entstanden in Stadt und Land neue Pfarrkirchen.

Die Zahl der Pfarrkirchen im Bistum Merseburg war am Ausgang des 12. Jahrhunderts auf etwa 220 gewachsen. Ihr Territorium sicherten die Bischöfe durch die Anlage oder den Ausbau von Burgen, wie die in Zwenkau und in Horburg. Die Orte erscheinen als Vorläufer der späteren Amtsstädte. Horburg als bewusste bischöfliche Neugründung stellte eine Machtsicherung im Bereich der Elster-Luppe-Aue dar, die künftig den Ausgriff nach Leipzig ermöglichen sollte.

Auch der Domkapitelsbesitz differenzierte sich durch zahlreiche Stiftungen weiter aus. Das Leben der Domherren war im 12. Jahrhundert durch eine zunehmende Vereinzelung in der Lebensführung geprägt. Für den Unterhalt der Domherren wurden Vermögensmassen, die sogenannten Pfründen aus dem Domkapitelsbesitz ausgeschieden. Sichtbaren Ausdruck fand die Vereinzelung der Lebensführung im Bau von Kurien, die rings um die Kathedrale auf dem Domberg angelegt wurden. Wie das Gesicht des Merseburger Umlandes dürfte sich auch auf dem Domberg seit dem 12. Jahrhundert eine neue aber dauerhafte Struktur ausgebildet haben. Das im 12. Jahrhundert ausgeprägte Bild von Stadt und Land sollte weitgehend bis ins 19. Jahrhundert Bestand haben.

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