Jahr1000Schätze des 19. Jahrhunderts

Unsere Zeitreise mit den Jahr1000Schätzen durch 1000 Jahre Domgeschichte erreicht das 19. Jahrhundert. Der Merseburger Dom erlebte in dieser Zeit zahlreiche Umbauten – im politischen wie im baugeschichtlichen Sinne. Ein einschneidender politischer Eingriff erfolgte bereits 1815. Mit dem Wiener Kongress wurde Merseburg an Preußen abgetreten. Der politische Umbruch entspricht auch den baulichen Veränderungen, die im 19. Jahrhundert den Dom stark veränderten. Seit den 1830er Jahren wurden auf Weisung der Merseburger Regierung die barocken Einbauten aus sächsischer Zeit entfernt. Zwischen 1853 und 1855 entstand die großartige Orgel durch den Weißenfelser Orgelbaumeister Friedrich Ladegast. Ihr Klang wies in die Zukunft und begründete nicht nur den Nachruhm Ladegasts sondern des Merseburger Domes als Ort besonderer Konzerte. 

Hinter die barocke Pracht des Prospekts baute Ladegast die erste romantische Großorgel.

Frühestes Foto des Dominneren, um 1880

In den 1880er Jahren erfolgten weitere einschneidende Umbauten. Der Dom erfuhr eine neoromanische Überbauung im Inneren und Äußeren. Wie gravierend diese Veränderungen waren können wir dank eines sehr frühen Fotos des Merseburger Fotografen Franz Herfurth nachempfinden. Es zeigt den Ostchor noch vor 1880, also vor den Umbauten. Markus Cottin, der Leiter des Domstiftsarchivs Merseburg, erläutert anhand des Fotos, was sich alles verändert hat.

Das älteste Foto vom Dominneren gewährt einen Einblick in ein Bilderbuch und ermöglicht , die Dynamik des 19. Jahrhunderts im Merseburger Dom nachzuvollziehen. Das neue Medium der Fotografie, hier früh verwendet, ist ein Schatten der neuen Zeit.

Gedicht auf den Besuch des Kronprinzen zur Domweihe 1883

Über die Umbauten in den 1880er Jahren verhandelte die preußische Regierung häufig mit dem Domkapitel, worüber sich eine Akte erhalten hat. Dem Einweihungsakt am 7. November 1886 wohnte der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm (der spätere Kaiser Friedrich III.) bei. Im Merseburger Kreisblatt erschien an diesem Tage ein Lobgedicht, das den Schulterschluss mit dem preußischen Königshaus verdeutlichen sollte.

Markus Cottin erklärt anhand dieser Akte, wie sich das Verhältnis zum preußischen Herrscherhaus im 19. Jahrhundert verändert hat.

Veränderungen des Domkapitels im 19. Jahrhundert

Durch den Übergang Merseburgs an Preußen kam es auch im Domkapitel zu gravierenden Einschnitten. Zwar blieb das Domkapitel erhalten, es hatte sich aber fortan vielfach dem Zugriff des preußischen Staates zu erwehren. Im Jahre 1815 mussten das Domkapitel – erstmals – dem neuen preußischen Landesherren huldigen. Der preußische König behielt sich die Besetzung von Domherrenstellen vor, seit 1822 wurde keine Anwartschaften mehr vergeben. Bis zum Beginn der Ablösungen 1850 verfügte das Merseburger Domkapitel in 150 Ortschaften über Natural- und Geldeinnahmen und übte in eigenen Dörfern die Gerichtsbarkeit aus. So war das Domkapitel im Merseburger Land stets präsent, nicht nur, wenn es galt Abgaben einzuziehen und Gericht zu halten, sondern auch, wenn es Spenden für abgebrannte Dörfer oder Kirchen sammelte. Mit den bürgerlichen Reformen des 19. Jahrhunderts gingen mehr und mehr Rechte auf den Staat über. Die wirtschaftlichen Grundlagen des Domkapitels waren damit weitgehend erloschen. Die freiwerdenden Pfründeneinnahmen wurde in einem Dispostionsfonds versammelt, der vom preußischen König unmittelbar verwaltet wurde und z. B. den zahlreichen Domumbauten diente. Seit 1850 wurde das Domkapitel zudem besteuert, büßte also ein altes Vorrecht ein. Die Verbindungen nach Sachsen wurden durch die dortigen Ablösungen eingeschränkt, schließlich 1866 auch die Bindung zur Universität Leipzig gelöst – bis dahin waren stets weiter zwei Domherren von der Leipziger Universität ernannt worden.

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